Technologie-Portfolio-Analyse
Technologie-Portfolio-Analyse zur Bewertung von Energieflexibilitätspotentialen
Zur Technologieanalyse wurde eine weit verbreitete Methode aus dem strategischen Technologiemanagement angewendet und zur Bewertung von Energieflexibilitätspotenzialen modifiziert. Die Technologie-Portfolio-Analyse dient der Entscheidungsunterstützung bei der Auswahl vielversprechender Technologien mithilfe einer zweidimensionalen Darstellung der Bewertungsergebnisse (Hahn und Taylor, 2006). Die Methode umfasst als erste Schritte eine Umfeldanalyse und die Identifizierung der relevanten Produkt- und Prozesstechnologien. Mithilfe der erstellten Technologiematrix und der Steckbriefe können diese Schritte abgedeckt werden. Darauf aufbauend werden die Technologieattraktivität und die Ressourcenstärke bewertet. Die Technologieattraktivität beschreibt alle Vorteile einer Technologie, während die Ressourcenstärke das Umfeld miteinbezieht und somit vergleichende Aussagen zu anderen Technologien zulässt. Die Bewertung der beiden Dimensionen erfolgt mittels Indikatoren. Die herkömmlichen Indikatoren der Technologie-Portfolio-Analyse wurden zur Bewertung der Querschnittstechnologien hinsichtlich der Energieflexibilitätspotenziale angepasst (Abbildung 1). Die Indikatoren wurden mithilfe von Bewertungskriterien weiter spezifiziert, um eine vergleichbare Technologieanalyse sicherzustellen.

Abbildung 1: Modifizierte Technologie-Portfolio-Analyse zur Bewertung von Energieflexibilitätspotenzialen
Das Kriterium der industriellen Umsetzbarkeit soll beschreiben, inwieweit die technische Weiterentwicklung im Zuge der Befähigung der Energieflexibilität in der Industrie umsetzbar sein wird. Als Bewertungskriterium wird neben der rein technischen Umsetzbarkeit auch die Komplexität der Maßnahmen zur Energieflexibilitätsbefähigung herangezogen. Außerdem wird bewertet, inwieweit die Maßnahmen in der Industrie anwendbar sind. Die Einsatzhäufigkeit und Verbreitung der Technologie wird herangezogen, um den energetischen Einfluss und die Verbreitung in Deutschland mit in die Bewertung aufzunehmen. Der Indikator Umrüstaufwand und Integration umfasst verschiedenste Kriterien, die Aussagen über die Technologiereife, den Grad der Prozessentkopplung, die Möglichkeit des Energieträgerwechsels, die Ansteuermöglichkeiten bzw. den Vernetzungsgrad sowie über den Umrüstaufwand zulassen. Bei der Übertragbarkeit soll bewertet werden, inwieweit die Analysen und Erkenntnisse auf andere Technologien übertragen oder verallgemeinert werden können. Außerdem wird miteinbezogen, ob die Umrüstmaßnahmen in einen direkten Zusammenhang mit der Energieflexibilitätspotenzialausschöpfung gebracht werden können (Nutzentransparenz). Abschließend wird die Dimension der Ressourcenstärke hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit bewertet. Hierbei werden die spezifischen Wandler- bzw. Speicherkosten, der Platzbedarf, Speicher- und Wandlerverluste sowie die Abrufkosten von Maßnahmen berücksichtigt. Insgesamt wurden 17 verschiedene Bewertungskriterien aufgenommen, von denen sieben zur Bewertung der Ressourcenstärke und zehn zur Bewertung der Technologieattraktivität herangezogen werden.
Abbildung 2 zeigt die zweidimensionale Darstellung der Ergebnisse der modifizierten Portfolio-Analyse. Sowohl Speicher- als auch Wandlertechnologien, die im oberen rechten Quadranten der Matrix liegen, können als vielversprechende Technologien eingestuft werden. Technologien, deren Bewertung oben rechts liegt, sollten im Hinblick auf die Energieflexibilisierung ebenfalls verfolgt werden. Technologien, die unten links angeordnet sind, sollten nur nach weiterer Prüfung weiter berücksichtigt werden, da in diesen Fällen zwar eine Integration im Umfeld vielversprechend ist, die Technologieeigenschaften im Vergleich zu den anderen Technologien aber abfallen. Technologien, die unten links eingeordnet werden, sind als wenig vielversprechend zu bewerten. Die gewählte Kreisgröße gibt Aufschluss über die Anzahl der in die Bewertung einfließenden Kriterien.

Abbildung 2: Ergebnisse der Technologie-Portfolio-Analyse zur Bewertung von Energieflexibilitätspotenzialen von unterschiedlichen Wandler- (links) und Speichertechnologien (rechts)
