Relevante Energieformen
| Endenergieform | Nutzenergieform | Nebenenergieform(en) |
| Elektrischer Strom | Wärme (T<100°C), Wärme (T>100°C) | Kälte (<25°C) |
Kurzbeschreibung
Physikalisches Prinzip: Verdampfen des Kältemittels
Verdichtungsprinzip: Mechanische Verdichtung
Prozessablauf (IHK Hessen 2015):
- In der Wärmequelle wird das Medium verdampft und entzieht der Wärmequelle Wärmeenergie.
- Medium (z.B. Propan) wird von einem Kompressor verdichtet.
- Verflüssigtes Medium wird in Wärmesenke abgekühlt, überträgt Wärme in diese und wird dabei verflüssigt.
- Durch Drossel wird das Medium entspannt.
Verfügbare Kältemittel (Huber, Schöfmann):
- FCKW: stark Ozonschicht abbauend und klimaschädlich)
- H-FCKW: Ozonschicht abbauend und klimaschädlich
- H-FKW: klimaschädlich
- Natürliche Kältemittel – Ammoniak, CO2, Propan, Isobutan, Wasser: nicht Ozonschicht abbauend und nicht klimaschädlich
Neben elektrischer Energie zum Antrieb des Verdichters wird zur Erzeugung von Wärme also auch noch thermische Energie auf einem niedrigeren Temperaturniveau benötigt. Typische Wärmequellen hierfür sind: Außenluft, Abluft, Grundwasser, Abwasser, Oberflächenwasser, Erdwärme; industrielle Abwärme (Huber, Schöfmann) Auch solarthermische Kollektoren können in Anlagen eingebunden werden und stellen entweder nutzbare Wärme direkt bereit oder dienen der Wärmepumpe als Wärmequelle (Umweltbundesamt 2018).
Funktionsskizze

Ilmari Karonen, Heatpump2, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
1) Kondensator, 2) Drossel, 3) Verdampfer, 4) Kompressor
Berechnung des Umwandlungswirkungsgrades, typische Werte
Leistungszahl
(auch: Coefficient of Permance (COP)):
![]()
Beschreibt das Verhältnis aus eingesetzter elektrischer Leistung (
) und der genutzten thermischen Energie auf hohen Temperaturniveau (
). Die Leistungszahl ist immer abhängig vom aktuellen Betriebspunkt. Typische Leistungszahlen liegen zwischen 2 und 5. Höhere Werte sind möglich. Das theoretische Limit für die Leistungszahl ist abhängig vom oberen (
) und unteren (
) Temperaturniveau und leitet sich aus dem Carnot-Wirkungsgrad (
) für Wärme-Kraft-Prozesse ab:
![]()
Zur Ermittlung der mittleren Effizienz einer Wärmepumpe über einen längeren Zeitraum wurde die Jahresarbeitszahl definiert:
![]()
(Wolf, Fahl, Blesl, Voß, Jakobs 2014)
Bauarten
| Bauart | Hubkolbenverdichter | Scrollverdichter | Schraubenverdichter | Turboverdichter |
| Antriebsprinzip | Verdränger | Verdränger | Verdränger | Strömungsmaschine |
| Förderung | Pulsierend | Stetig | Stetig | Stetig |
| Volumenstrom | Bis 1.000 m²/h | Bis 500 m³/h | 100-10.000 m³/h | 100-50.000 m³/h |
| Druckverhältnis | Bis 10 | Bis 10 | Bis 30 | Bis 5 |
Betriebs-Charakteristika
| Bauart | Hubkolbenverdichter | Scrollverdichter | Schraubenverdichter | Turboverdichter |
| Regelbarkeit bei konstanter Drehzahl | Stufen | Schwierig | Stufenlos | Stufenlos |
| Drehzahlregelung | Möglich | Möglich | Möglich | Möglich |
| Minimale Länge eines Betriebszyklus (Inverse Schalthäufigkeit) | 5-20 Min | 5-20 Min | 5-20 Min | 5-20 Min |
Energetische Kennwerte
| Bauart | Hubkolbenverdichter | Scrollverdichter | Schraubenverdichter | Turboverdichter |
| Verfügbare Leistungsstufen/
-klassen |
Bis 800 kW | Bis 400 kW | 80-8.000 kW | 80-40.000 kW |
| Wirkungsgrad in Abhängigkeit der Auslastung | Je geringer die Verdichterdrehzahl, desto höher ist die Energieeffizienz. Theoretisch ist die Antriebsleistung des Verdichters proportional zur dritten Potenz der Drehzahl (Siemens). Allgemein ist es jedoch stark von der Regelungsart abhängig, wie sich der Wirkungsgrad mit der Auslastung verhält. | |||
| Nutzbarer Anteil der Verlustleistung | Die Kälte, die beim Antrieb von Kompressionswärmepumpen erzeugt wird kann prinzipiell genutzt werden. Dies erhöht die Effizienz deutlich, da beide Seiten der Wärmepumpe genutzt werden. | |||
| Verfügbare Temperaturniveaus | Vorlauftemperaturen liegen i.d.R. bei 60-80°C. Hochtemperaturen bis ca. 110°C sind am Markt verfügbar | |||
Subjektive Technologie-Portfolio-Analyse
| Technologieattratktivität | Industrielle Umsetzbarkeit | Umsetzbarkeit | Ist es technisch denkbar, diese Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität einzusetzen? (Grün = Ja, Gelb = Ggf., Rot =Nein) | |
| Komplexität | Wie komplex wäre der Einsatz dieser Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität? (Grün = einfach, Gelb = eher komplex, Rot = sehr komplex oder nicht möglich) | |||
| Anwendbarkeit bei Industriepartnern | Wäre eine Flexibilisierung solcher Anlagen bei Industriepartnern direkt möglich? (Grün = Ja, Gelb=Nur mit größeren Umbaumaßnahmen, Rot = Nein) | |||
| Einsatzhäufigkeit und Verbreitung | Energetischer Impact | Hat die Technologie typischerweise einen bedeutenden Anteil am Strombedarf eines Fabrikbetriebes? (Grün = Tendenziell ja, Gelb = eher nicht, Rot = Nein (weil z.b. andere Energieträger)) | ||
| Verbreitung in Deutschland | Wie ist der Verbreitungsgrad der Technologie in Deutschland einzuschätzen? (Grün = hoch, Gelb = mittel, Grün = niedrig) | |||
| Umrüstaufwand und Integration | Technology Readiness Level | Wie weit ist die Technologie entwickelt? (Grün = TRL 7-9 Gelb = TRL 4-6, Rot = 1-3) | ||
| Grad der Prozessentkopplung | Wie stark beeinflusst die Anlage in der Regel den Hauptprozess? (Grün = Zwischen der Anlage und dem Hauptprozess befindet sich i.d.R. ein Speicher oder Netz, Gelb = Anlage ist tendentiell nahe am Prozess verbaut, Rot = Anlage hat i.d.R. direkt Einfluss auf den Prozess) | |||
| Möglichkeit des Energieträgerwechsels | Ist ein Energieträgerwechsel möglich? (Grün = Ja in der gleichen Anlage, Gelb = Mit einer zweiten Anlage, Rot = Nein) | |||
| Umrüstaufwand | Wie wird der Aufwand zur Befähigung der Anlage eingeschätzt? (Grün = niedrig, Gelb = mittel, Grün = noch) | |||
| Ressourcenstärke | Übertragbarkeit | Übertragbarkeit | Wie gut lässt sich eine Lösung zur Flexibilisierung dieser Anlage auf andere Anlagen übertragen? (Grün = Technologien sind immer ähnlich aufgebaut, Lösungen sind also übertragbar, Gelb = Keine Aussage möglich, Rot = Sehr Prozessspezifisch bzw. standortspezifisch) | |
| Wirtschaftlichkeit | Erschließungskosten der Maßnahme | Wie hoch sind die spezifischen Investitionshöhen (Grün = niedrig (z.B. nur andere Regelungsart), Gelb = mittel, Rot = hoch (z.B. teure zweite Anlage muss installiert werden) | ||
| Spezifische Wandlerkosten | Wie hoch sind die spezifischen Speicherkosten (Grün = niedrig, Gelb = mittel, Rot = hoch) | |||
| Abrufkosten der Maßnahme | Wie groß ist die Verlustleistung über die Zeit? (Standverluste, Grün = Langzeitspeicher Gelb = Stundenspeicher, Rot = Kurzzeitspeicher) | sehr stark fallabhängig |
Best Available Technology
Ja – Mit Kompressionswärmepumpen kann prinzipiell Energieflexibilität bereitgestellt werden. Kompressionswärmepumpen sind zwar derzeit in der Industrie in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet, bieten aber große Potenziale hinsichtlich der Decarbonisierung des Wärmesektors (Wolf, Fahl, Blesl, Voß, Jakobs 2014).
Entwicklungstendenz
Es existiert ein Trend hin zum Einsatz modernerer Kompressionswärmepumpen, die aufgrund einer besseren Leistungsregelbarkeit (z.B. Drehzahlregelung via Frequenzumrichter, Digital-Scroll-Konzept) über einen breiteren Einsatzbereich wirtschaftlich betrieben werden können. Weiterhin besteht ein Trend zum Anstieg der Leistung und der Vorlauftemperaturen von Wärmepumpen (Wolf, Fahl, Blesl, Voß, Jakobs 2014)
Zusammenfassung genereller Vor- und Nachteile
Vorteile
- Einfacher Betrieb, geringer Wartungsaufwand
- Hohe Umwandlungsgrade von elektrischer Energie in Wärme (bis ca. 500 %), wenn eine geeignete Wärmequelle auf niedrigem Temperaturniveau vorhanden ist (z.B. Umweltenergie, Prozessabwärme)
Nachteile
- Begrenzte Vorlauftemperaturen (bis ca. 110°C)
- Abhängig von verfügbaren Antriebsenergiequellen, deswegen unter Umständen abhängig von Witterungsbedingungen
Anwendungsbeispiele
- Vernetzung zwischen Werkzeug- und Reinigungsmaschine führt zu Energieeinsparungen von ca. 38% (Abele, Helfert, Junge 2015)
- BIG Spielwaren: 922 kW Heizleistung, Beheizung eines Bürogebäudes mit Abwärme aus Spritzgussmaschinen (Wolf 2017)
- Volkswagen: 1.683 kW Heizleistung, Erzeugung von Warmwasser aus Prozessabwärme (Wolf 2017)
- Jästbolaget (Schweden): 6.000 kW Heizleistung, Bereitstellung von Fernwärme aus Abwärme der Fermentation (Wolf 2017)
Literaturverzeichnis
- Abele E., Helfert M., Junge F. (2015): Energieeffizienz durch Vernetzung (PDF Download), zuletzt geprüft am 30.07.2019
- Huber H., Schöfmann P.: Grundlagen Wärmepumpen (PDF Download), zuletzt geprüft am 30.07.2019
- IHK Hessen (2015): Wärmestudie http://www.ihk-hessen.de/pdf/umwelt_energie/waermestudie-online_10.02.2015.pdf
- Kältetechnik, Siemens
- Umweltbundesamt (2018): Umgebungswärme und Wärmepumpen. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 30.07.2019
- Wolf S (2017): Integration von Wärmpepumpen in industrielle Produktionssysteme (PDF Download), zuletzt geprüft am 30.07.2019
- Wolf, S.; Fahl, U.; Blesl, M., Voß, A.; Jakobs, R. (2014): Analyse des Potenzials von Industriewärmepumpen in Deutschland. Hg. v. Universität Stuttgart.



