Relevante Energieformen
Gespeicherte Energieform:
- Thermische Energie (Kälte > 0 °C bzw. Wärme < 100 °C*) * Grenzen zwischen beiden Formen liegt bei 20 °C
Kurzbeschreibung
Physikalisches Prinzip:
Veränderung der fühlbaren Temperatur beim Lade- oder Entladevorgang (Wärmeaufnahme oder -abgabe)
Prozessablauf:
- Beton-Speicher:
Während des Beladungsvorgangs überträgt das Wärmeträgermedium über die Wärmeübertragungsrohre aus Stahl Wärme an den umgebenden Beton. Dadurch, dass die Rohre aus Stahl bestehen, ist es möglich verschiedene Prozessmedien wie Thermoöl, Dampf oder Luft zu verwenden. Während der Entladung gibt der Beton Wärmeenergie an das Wärmeträgermedium ab und erwärmt dieses.
- Energiepfähle:
Bei den Energiepfählen handelt es sich um Gründungspfähle, die mit Wärmeübertragungsrohre ausgestattet sind. Sie funktionieren wie eine Erdwärmesonde mit dem Unterschied, dass die Rohre in Beton eingebracht sind. Mit Hilfe einer reversiblen Wärmepumpe wird dem im Energiepfahl befindlichen Wärmeträgermedium (Wasser) Wärme entzogen. Im Sommer (Kühlbedarf) entzieht die Wärmepumpe dem Gebäude die Wärme und gibt sie an den Energiepfahl ab.
Zum Gebäude hin ist eine gute Isolierung notwendig, damit die Wärme tatsächlich aus dem Erdreich entzogen wird und nicht aus dem Gebäude.
- Betonkernaktivierung:
Durch die Aktivierung der thermischen Speichermasse kann der Raumtemperaturverlauf über den Tag ausbalanciert werden.
- Beladung:
In das jeweilige Betonbauteil (meist Wand- oder Decke) wird mit ein Rohrregister eingebracht, durch welches Wasser zirkuliert. Je nach Energiebedarf (Kühl- oder Heizbedarf) fließt warmes oder kaltes Wasser durch das Bauteil, sodass Wärme- oder Kälteenergie auf den Beton übertragen wird und eine Erwärmung bzw. Abkühlung des Betons erfolgt. Dieser Vorgang kann durch Modifikation der Vorlauftemperatur, des Massenstroms und Ladezeit gesteuert werden.
- Speicherung:
Die thermische Aktivierung des Bauteils bewirkt eine zeitliche Verschiebung der thermischen Lasten. Ein Überangebot an Wärme (z.B. durch solare Einstrahlung oder innere Lasten) kann in dem Bauteil zwischengespeichert werden, wodurch die mittlere Bauteiltemperatur steigt und somit auch die operative Raumtemperatur, dies aber durch die Trägheit der Speichermasse zeitversetzt.
- Entladung:
Die im Beton befindliche Wärme oder Kälte wird nun passiv zu 60 % über Strahlung und zu 40 % über Konvektion an den Raum übertragen.
Speichermedium:
Beton als Fünfstoffsystem (Wasser, Zement, Zuschlag, Betonzusatzstoffe, Betonzusatzmittel) → mit Sand/Kies am effektivsten
Wärmeträger:
- Beton-Speicher: Wasser, Thermoöl, Dampf oder Luft
- Energiepfähle: Wasser
- Betonkernaktivierung: Wasser
Wärmeübertrager:
- Beton-Speicher: Rohrleitungen aus Stahl
- Energiepfähle: Rohrleitungen aus Kunststoff
- Betonkernaktivierung: Rohre aus vernetztem Polyethylen (Durchmesser: 15 bis 20 mm; Abstände: 10 bis 30 cm; in mäander- oder spiralförmiger Rohrschlangenführung)
Funktionsskizzen
Berechnung des Umwandlungswirkungsgrades, typische Werte
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Nutzungsgrad – Betonkernaktivierung nach DIN V 18599:
Nutzungsgrad für den Heizfall:
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mit
nL: Teilnutzungsgrad für vertikales Lufttemperaturprofil (Wandelemente: 0,96, Deckenelemente: 0,93)
nC: Teilnutzungsgrad für Raumtemperaturregelung (0,75 bis 0,95)
nB: Teilnutzungsgrad für spezifische Verluste der Bauteile (0,93)
Nutzungsgrad für den Kühlfall: 0,9
Bauarten
- Beton-Speicher
- Energiepfähle
- Betonkernaktivierung
(thermisch aktivierte Bauteile, siehe vorstehende Beschreibung)
Betriebs-Charakteristika
| Bauart | Beton-Speicher | Energiepfähle | Betonkernaktivierung |
| Typische Be- und Entladeleistungen | Beladungsleistung: 170 kW Entladungsleistung: 50 kW |
Kühlleistungen: 220 kW |
Kühlleistungen: 30–40 W/m² Heizleistungen: 25–30 W/m² |
|
bzw. |
|||
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Alters des Speichers | Die Verlustleistung ist unabhängig vom Alter des Speichers | ||
BES: Be- und Entladesystem
Energetische Kennwerte
| Bauart | Beton-Speicher | Energiepfähle | Betonkernaktivierung |
| Verfügbare Leistungsklassen (kW) | von: k.A. bis: 100 kW (Status Pilotanlage DLR) |
von: k.A. bis: 120 W/m |
von: k.A. bis: k.A. |
| Verfügbare Kapazitäten (kWh) | von: k.A. bis: 400 KWh (Status Pilotanlage DLR) optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis → modularer Aufbau mit: Länge: 18 m Breite: 2,6 m Höhe: 4 m |
k.A. | von: 350 Wh/m² bis: 400 Wh/m² |
| QSp = m · cp · (Θ2 – Θ1) oder QSp= V · cp‚ · (Θ2 – Θ1) |
|||
| mit: Θ1 : Bauteiltemperatur bzw. Speichertemperatur (Temperatur des Wärmeträgers) Θ2 : Raumtemperatur Spezifische Wärmekapazität cp = 0,88 kJ/(kg K) Volumetrische Wärmekapazität cp‚ = 1672 bis 2074 kJ/(m³K) m = d*A*ρ |
|||
| Volumetrische Speicherdichte | Volumetrische Speicherdichte= (Speicherkapazität in kJ)/ (Volumen des Speichers in m³)
c‘ * ΔT |
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| Gravimetrische Speicherdichte | Gravimetrische Speicherdichte = (Speicherkapazität in kJ)/ (Masse des Speichers in kg)
c * ΔT |
||
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit der Kapazität | Ja Die Anzahl und Anordnung der Rohre innerhalb eines Einzelmoduls beeinflusst die thermische Leistungsfähigkeit und damit die Verlustleistung |
Ja | Ja Die Anzahl und Anordnung der Rohre innerhalb des Bauteils beeinflusst die thermische Leistungsfähigkeit und damit die Verlustleistung |
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Ladezustandes | Abhängigkeit vernachlässigbar | ||
| Verfügbare Energieniveaus | Temperaturniveaus des Speichers (°C): 0–400 °C |
Temperaturniveaus des Speichers (°C): 8,5–12 °C |
k.A. |
Wirtschaftliche Kennwerte
| Bauart | Beton-Speicher | Energiepfähle | Betonkernaktivierung |
| Nutzenergiekosten / kWh | k.A. | k.A. | k.A. |
| Laufende Kosten p.a./kW | k.A. | k.A. | k.A. |
| Investkosten / kW | 15–130 €/kWh | 15 €/m plus 10 €/m für die horizontale Anbindung Geringe Mehrkosten, wenn einePfahlgründung sowieso erforderlich ist |
40–50 €/m² |
| Platzbedarf / kWh | k.A. | k.A. | k.A. |
| Typische Lebensdauer in Jahre | k.A. | k.A. | Kunststoffrohre: bis zu 100 Jahre |
| Erwartete Baukosten für einen Speicher mit 10000 m³ Wasseräquivalent (WÄ), bezogen auf 1 m³ WÄ | 80–100 €/m³ | k.A. | k.A. |
Technologische Kennwerte
| Bauart | Beton-Speicher | Energiepfähle | Betonkernaktivierung |
| Negative Aspekte der Ökobilanz (alle Lebensphasen) |
keine negativen Aspekte | keine negativen Aspekte | keine negativen Aspekte |
| Gefährdungspotenzial | geringes Gefährdungspotenzial | geringes Gefährdungspotenzial | geringes Gefährdungspotenzial |
| Systemkomplexität | robuste Bauweise, einfach durch Laien zu bedienen | robuste Bauweise, einfach durch Laien zu bedienen | robuste Bauweise, einfach durch Laien zu bedienen |
Subjektive Technologie-Portfolio-Analyse
| Technologieattratktivität | Industrielle Umsetzbarkeit | Umsetzbarkeit | Ist es technisch denkbar, diese Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität einzusetzen? (Grün = Ja, Gelb = Ggf., Rot =Nein) | |
| Komplexität | Wie komplex wäre der Einsatz dieser Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität? (Grün = einfach, Gelb = eher komplex, Rot = sehr komplex oder nicht möglich) | |||
| Anwendbarkeit bei Industriepartnern | Wäre eine Flexibilisierung solcher Anlagen bei Industriepartnern direkt möglich? (Grün = Ja, Gelb=Nur mit größeren Umbaumaßnahmen, Rot = Nein) | |||
| Einsatzhäufigkeit und Verbreitung | Verbreitung in Deutschland | Wie ist der Verbreitungsgrad der Technologie in Deutschland einzuschätzen? (Grün = hoch, Gelb = mittel, Grün = niedrig) | ||
| Umrüstaufwand und Integration | Technology Readiness Level | Wie weit ist die Technologie entwickelt? (Grün = TRL 7-9 Gelb = TRL 4-6, Rot = 1-3) | ||
| Umrüstaufwand zur nachträglichen Integration | Wie wird der Aufwand zur Befähigung der Anlage eingeschätzt? (Grün = niedrig ,Gelb = mittel, Grün = noch) | |||
| Ressourcenstärke | Übertragbarkeit | Übertragbarkeit | Wie gut lässt sich eine Lösung zur Flexibilisierung dieser Anlage auf andere Anlagen übertragen? (Grün = Technologien sind immer ähnlich aufgebaut, Lösungen sind also übertragbar, Gelb = Keine Aussage möglich, Rot = Sehr Prozessspezifisch bzw. standortspezifisch) | |
| Wirtschaftlichkeit | Spezifische Speicherkosten | Wie hoch sind die spezifischen Speicherkosten (Grün = niedrig , Gelb = mittel, Rot = hoch) | ||
| Spezifische Platzbedarf | Wie groß ist die volumetrische Speicherdichte (Grün = Hoch, Gelb = Mittel, Rot = Niedrig) | |||
| Speicherverluste | Wie groß ist die Verlustleistung über die Zeit? (Standverluste, Grün = Langzeitspeicher Gelb = Stundenspeicher, Rot = Kurzzeitspeicher) |
Entwicklungstendenz
Forschungsbedarf ist in allen drei Bereichen noch sehr hoch:
Energiepfähle – Forschungsbedarf im Hinblick auf:
- Effizienz der Betriebszustände und Konfiguration
- Wärmeleitfähigkeit und Speicherkapazität
Betonkernaktivierung – Forschungsbedarf im Hinblick auf:
- optimale Systemkonfiguration und Betriebsweise unter Berücksichtigung erneuerbarer Energien
- rechnergestützte Betriebsführung
- Verbesserung raumakustischer Eigenschaften
- Kombination von TABS mit neuen Speichertechnologien
Zusammenfassung genereller Vor- und Nachteile
Vorteile
- hohe spez. Wärmekapazität
- hohe Wärmeleitfähigkeit
- thermische Langzeitstabilität
- gute Verfügbarkeit der Komponenten
- Selbstregeleffekt
Nachteile
- Feststoffspeicher erfordern im Vergleich zu Fluidspeichern eine hohen Platzbedarf
Anwendungsbeispiele
Anwendungsbeispiele (Projekte mit Energiepfählen):
- Festspielhaus Bregenz
- Main Tower in Frankfurt am Main
Anwendungsbeispiele (Projekte mit Beton-Speicher):
- Pilotprojekt DLR und Züblin
Anwendungsbeispiele (Projekte mit Betonkernaktivierung):
- Volkswohl Bund Versicherungen, Dortmund
- Institut für Informatik, Universität Rostock
- HafenCity Universität Hamburg
Literaturverzeichnis
- Beton/Campus: Betonkernaktivierung: Warm und Kalt. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 16.02.2017
- BINE Informationsdienst (2007): Thermoaktive Bauteilsysteme
- BINE Informationsdienst (2005): Wärmespeicher – Leseprobe
- Bundesverband Geothermie: Energiepfahl. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 16.02.2017
- Ewert, Markus (2011): Flexibilität durch Wärmespeicherung in konzentrierenden Solarkraftwerken
- Kaltschmitt, Martin et al. (2009): Energie aus Erdwärme
- Kempkes, Christoph et al. (2009): Energetische Bewertung thermisch aktivierter Bauteile. Dynamisch thermische Simulation, messtechnische Validation, vereinfachte Bewertungsansätze
- Laing, Doerte (2008): Speichertechnik nicht nur für Solarenergie
- Schröder, B.; Hanschke, T. (2003): Energiepfähle – umweltfreundliches Heizen und Kühlen mit geothermisch aktivierten Stahlbetonfertigpfählen

