Relevante Energieformen
| Endenergieform | Nutzenergieform | Nebenenergieform(en) |
| Elektrische Energie (Strom) | Mechanische Energie (Rotation) | Thermische Energie (Wärme) |
Kurzbeschreibung
Physikalisches Prinzip: Lorentzkraft bewirkt ein Drehmoment im Gleichstrommotor durch abstoßende Magnetfelder.
Motorprinzip: Kommutator ändert Polrichtung der Rotorspule.
Berechnung des Umwandlungswirkungsgrades, typische Werte
Wirkungsgrad im Motorbetrieb:
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Wirkungsgrad im Generatorbetrieb:
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Der Wirkungsgrad ergibt sich aus dem Quotienten der abgegebenen und zugeführten Leistung. Die Differenz ist die Verlustleitung. Die Verlustleistung ergibt sich zum größten Teil aus den Kupferverlusten des Stators für n Phasen mit dem Widerstand R und dem effektiven Phasenstrom Ieff:
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Die Rotorverluste ergeben sich im equivalenten Ersatzschaltbild aus den quadrierten induzierten Strömen mal dem equivalenten Rotorwiderstand.
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Eisenverluste im Stator und Rotor können über die Steinmetzgleichung angenähert werden und sind sehr stark vom Herstellungsverfahren und der Geometrie abhängig.
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Wirkungsgrad bis zu 60–99 %
(Fischer 2006)
Bauarten
Es existieren sehr viele Bauformen von Gleichstrommotoren, die in die Folgenden zerlegt werden können:
- Innenläufer selbstgekühlt
- Innenläufer fremdgekühlt
- Außenläufer selbstgekühlt
- Außenläufer fremdgekühlt
Betriebs-Charakteristika
| Bauart | Innenläufer selbstgekühlt | Innenläufer fremdgekühlt | Außenläufer selbstgekühlt | Außenläufer fremdgekühlt |
| Typisches Lastprofile | In Abhängigkeit der Regelungsvariante: konstant, taktend, kontinuierlich (Fischer 2006) | |||
| Maximale Schalthäufigkeiten | Dauerbetrieb (S1-Betrieb) (Fischer 2006) | |||
| Typische Anfahrzeiten | Mechanische Zeitkonstante (von einigen Millisekunden bis Sekunden je nach Aufbau) (Fischer 2006) | |||
| Regelbarkeit | Stufenlose Regelbarkeit. Entweder komfortabel über Regelkreis oder Betrieb als Reihenschlussmaschine, Nebenschlussmaschine, Verbundmaschine und fremderregte Maschine. (Fischer 2006) |
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| Drehmomentregelung | Stromregelkreis (i. d. R. über PI-Regler) (Weck 2006) | |||
| Drehzahlregelung | Kaskadierter Regelkreis aus Strom und Drehzahl (2 PI-Regler) mit/ohne (Drehzahl-) Geber (Weck 2006) | |||
| Lageregelung | Kaskadierter Regelkreis aus Strom, Drehzahl und Lage mit/ohne Winkel- und Positionsgeber. Von einer genauen Positionierung ist auch mit Geber abzusehen. |
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Energetische Kennwerte
| Bauart | Innenläufer selbstgekühlt | Innenläufer fremdgekühlt | Außenläufer selbstgekühlt | Außenläufer fremdgekühlt |
| Verfügbare Leistungsklassen | Bis 1610 kW (Siemens) | |||
| Wirkungsgrad in Abhängigkeit der Auslastung | Siehe Berechnung der Verluste | |||
| Nutzbarer Anteil der Verlustleistung | Sehr variabel, da Verlustleistung sehr genau vorhergesagt werden kann. Dieser Anteil kann durch spezielle Ansteuerung erhöht oder vermindert werden. | |||
| Verfügbare Energieniveaus | Eher mechanische Beschränkungen (bis 44.500 Nm und 3.600 min-1) | |||
Wirtschaftliche Kennwerte
| Bauart | Innenläufer selbstgekühlt | Innenläufer fremdgekühlt | Außenläufer selbstgekühlt | Außenläufer fremdgekühlt |
| Kosten/kWh | Keine gesicherten Angaben Eigenschätzung für Kleinantriebe: ca. 0,0001–0,05 € |
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| € Invest/kW | Keine gesicherten Angaben Eigenschätzung (je nach Größe/Bauform/Stückzahl): ca. 10–500 |
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| Platzbedarf/kW | Abhängig von Anzahl der Pole (Drehmoment-Drehzahl) Eigenschätzung: ca. > 2.9568e-05 m³/kW |
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| Wartungs- und Instandhaltungskosten/kWh | Keine gesicherten Angaben Abhängig i. d. R. von Wartungskosten der Lager und Kosten zum Austausch der Bürsten |
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| Typische Lebensdauer/h | Bei Kleinantrieben ist die Ausfallwahrscheinlichkeit bei 10 % bei 3.000 h. Der Bereich geht aber je nach Motor bis 100.000 h und 99 % Ausfallwahrscheinlichkeit (Köder 2009) | |||
Technologische Kennwerte
| Ökobilanz | Unterschiedlich (Mit seltenen Erdenmagneten sehr schlecht, besser: Ferritmagneten oder Fremderregung) | |||
Subjektive Technologie-Portfolio-Analyse
| Technologieattratktivität | Industrielle Umsetzbarkeit | Umsetzbarkeit | Ist es technisch denkbar, diese Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität einzusetzen? (Grün = Ja, Gelb = Ggf., Rot =Nein) | |
| Komplexität | Wie komplex wäre der Einsatz dieser Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität? (Grün = einfach, Gelb = eher komplex, Rot = sehr komplex oder nicht möglich) | |||
| Anwendbarkeit bei Industriepartnern | Wäre eine Flexibilisierung solcher Anlagen bei Industriepartnern direkt möglich? (Grün = Ja, Gelb=Nur mit größeren Umbaumaßnahmen, Rot = Nein) | |||
| Einsatzhäufigkeit und Verbreitung | Energetischer Impact | Hat die Technologie typischerweise einen bedeutenden Anteil am Strombedarf eines Fabrikbetriebes? (Grün = Tendenziell ja, Gelb = eher nicht, Rot = Nein (weil z.b. andere Energieträger)) | ||
| Verbreitung in Deutschland | Wie ist der Verbreitungsgrad der Technologie in Deutschland einzuschätzen? (Grün = hoch, Gelb = mittel, Grün = niedrig) | |||
| Umrüstaufwand und Integration | Technology Readiness Level | Wie weit ist die Technologie entwickelt? (Grün = TRL 7-9 Gelb = TRL 4-6, Rot = 1-3) | ||
| Grad der Prozessentkopplung | Wie stark beeinflusst die Anlage in der Regel den Hauptprozess? (Grün = Zwischen der Anlage und dem Hauptprozess befindet sich i.d.R. ein Speicher oder Netz, Gelb = Anlage ist tendentiell nahe am Prozess verbaut, Rot = Anlage hat i.d.R. direkt Einfluss auf den Prozess) | |||
| Möglichkeit des Energieträgerwechsels | Ist ein Energieträgerwechsel möglich? (Grün = Ja in der gleichen Anlage, Gelb = Mit einer zweiten Anlage, Rot = Nein) | |||
| Umrüstaufwand | Wie wird der Aufwand zur Befähigung der Anlage eingeschätzt? (Grün = niedrig, Gelb = mittel, Grün = noch) | |||
| Ressourcenstärke | Übertragbarkeit | Übertragbarkeit | Wie gut lässt sich eine Lösung zur Flexibilisierung dieser Anlage auf andere Anlagen übertragen? (Grün = Technologien sind immer ähnlich aufgebaut, Lösungen sind also übertragbar, Gelb = Keine Aussage möglich, Rot = Sehr Prozessspezifisch bzw. standortspezifisch) | |
| Wirtschaftlichkeit | Erschließungskosten der Maßnahme | Wie hoch sind die spezifischen Investitionshöhen (Grün = niedrig (z.B. nur andere Regelungsart), Gelb = mittel, Rot = hoch (z.B. teure zweite Anlage muss installiert werden) | ||
| Spezifische Wandlerkosten | Wie hoch sind die spezifischen Speicherkosten (Grün = niedrig, Gelb = mittel, Rot = hoch) | |||
| Abrufkosten der Maßnahme | Wie groß ist die Verlustleistung über die Zeit? (Standverluste, Grün = Langzeitspeicher Gelb = Stundenspeicher, Rot = Kurzzeitspeicher) | sehr stark fallabhängig |
Entwicklungstendenz
Es gibt bürstenlose Gleichstrommotoren, die weniger wartungsintensiv und teilweise auch effizienter sind. Diese zählen aber offiziell/physikalisch zu den Synchronmotoren und werden dort behandelt.
Zusammenfassung genereller Vor- und Nachteile
Vorteile
- Einfache Regelbarkeit
- hohe Dynamik
- hohe Torsionssteifigkeit
- Kosteneffizient
- Geräuscharm
Nachteile
- Wartungsintensiv wegen Kohlebürsten
- Niedrige Überlastungsfähigkeit (u. a. wegen Bürstenfeuer)
(Weck 2016)
Anwendungsbeispiele
- Universalmotoren in Handwerkermaschinen (Bohrmaschine, Handkreissäge, etc.), Küchengeräte (Küchenmaschine etc.)
- Früher auch in Produktionsmaschinen (z. B. Servoachen in Werkzeugmaschinen) und größeren Bearbeitungsmaschinen (z. B. Walzen), die sehr fein gesteuert werden müssen
Literaturverzeichnis
- Fischer, R. (2006): Elektrische Maschinen. Hanser-Verlag
- Köder, T.; Schinköthe, W. (2009): Lebensdauerangaben bei Kleinantrieben. Hg. v. Universität Stuttgart
- Weck, M.; Brecher, C. (2006): Werkzeugmaschinen 3: Mechatronische Systeme, Vorschubantriebe, Prozessdiagnose. Springer-Verlag


