Relevante Energieformen
Gespeicherte Energieform:
- Kälte (T < 25 °C), Wärme (T < 100 °C)
Kurzbeschreibung
Physikalisches Prinzip:
Veränderung der fühlbaren Temperatur beim Lade- oder Entladevorgang (Wärmeaufnahme oder -abgabe)
Prozessablauf:
Wasserspeicher beinhalten als Speichermedium je nach Bedarf warmes oder kaltes Wasser und werden zwischen Wärmeerzeuger (primärer Vor- und Rücklauf) und Wärmeverbraucher (sekundärer Vor- und Rücklauf) installiert. Bei mehreren Wärmeerzeugern oder Verbrauchern können weitere Anschlüsse vorhanden sein. Zur Vermeidung von Wärmeverlusten wird die Behälter-Ummantelung mit Dämmung versehen. Wasserspeicher können direkt oder indirekt über einen Wärmeübertrager mit der Wärmequelle verbunden sein. Das temperierte Wasser wird von einem Wärme- bzw. Kälteerzeuger (z.B. Pelletkessel oder Solarthermieanlage) aufgenommen und bei Bedarf an den Verbraucher (z.B. Heizkörper oder Fußbodenheizflächen) abgegeben. Pufferspeicher werden eingesetzt zur Verbesserung des Wirkungsgrades und zur Überbrückung von Stromsperrzeiten bei Wärmepumpen und zur Zwischenspeicherung von Abfallwärme (Holzheizungen, Solaranlagen).
Wasserspeicher können auch zur Kältespeicherung eingesetzt werden.
Speichermedium:
Wasser, Wasser-Frostschutz-Gemisch
Wärmeträger:
Wasser
Materialen für den Behälter:
Stahl (für 100 l bis einige Kubikmeter), Glas- oder Mineralfasern, Schaumglas, Blähglasgranulat, glasverstärkte Kunststoffe (GFK) oder wasserdichter Beton
Funktionsskizzen

Quelle: TU Darmstadt | PTW
Berechnung des Umwandlungswirkungsgrades, typische Werte
Wirkungsgrad: fast 100 %
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Bauarten
Zwei-Tank-Direktspeicher:
das Speichermedium ist gleichzeitig das Betriebsmedium
Zwei-Tank-Indirektspeicher:
Speicher- und Betriebsmedium sind getrennt → Wärmetauscher übertragen die Energie
Eintank-Thermokline:
Ein einzelner Tank ist gleichzeitig Wärme- und Kältetauscher
Mengen- und Schichtenspeicher:
Wenn verschiedene Temperaturbereiche gespeichert werden sollen, kommen Schichtenspeicher mit mehreren Zu- und Abflussleitungen zum Einsatz. In diesen Speichern wird das Prinzip der Schichtung (warmes Wasser befindet sich aufgrund der geringeren Dichte oben und kaltes Wasser unten) genutzt. Die Wasserschichten bleiben beim Lade- und Entladevorgang getrennt voneinander.
Im Folgenden wird die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Kurzzeit- und Langzeitspeichern erläutert:
- Kurzzeitspeicher: Warmwasserspeicher im Niedertemperaturbereich (Speicherung über Minuten bis Tage)
- Langzeitspeicher: Heißwasserspeicher als Saisonalspeicher (Speicherung über Tage bis Monate)
Betriebs-Charakteristika
| Bauart | Kurzzeitspeicher | Langzeitspeicher |
| Typische Be- und Entladeleistungen | Direktspeicher:
mit Indirektspeicher: bzw. |
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| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Alters des Speichers | Die Verlustleistung ist nicht abhängig vom Alter des Speichers | |
| Typische Speichergrößen | 50 bis 1.000 m³ | 1.000 bis 10.000 m³ |
Energetische Kennwerte
| Bauart | Kurzzeitspeicher | Langzeitspeicher |
| Verfügbare Kapazitäten (kWh) | von: wenige kWh bis: einige GWh |
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| Volumetrische Speicherdichte | Typische Speicherdichten: 60 bis 80 kWh/m³
Volumetrische Speicherdichte= (Speicherkapazität in kJ)/ (Volumen des Speichers in m³) c‘ * ΔT |
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| Gravimetrische Speicherdichte | Gravimetrische Speicherdichte = (Speicherkapazität in kJ)/ (Masse des Speichers in kg)
c * ΔT |
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| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit der Kapazität | Ja
Je kleiner das A/V-Verhältnis, desto geringer sind die Wärmeverluste Die thermische Zeitkonstante (Abkühlung bzw. Wärmeverlust je Zeiteinheit) ist direkt proportional zur spezifischen Wärme des Speichermediums und zum Volumen des Speichers sowie indirekt proportional zur Oberfläche und zur Wärmedurchgangszahl der Speicheroberfläche mit Der Wärmedurchgangskoeffizient hängt von der Dicke der Ummantelung und der Wärmeleitfähigkeit des Dämmmaterials ab |
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| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Ladezustandes | Abhängigkeit vernachlässigbar | |
| Verfügbare Energieniveaus | Temperaturniveaus des Speichers (°C): 0–100 °C |
Temperaturniveaus des Speichers (°C): 30–95 °C (drucklos) |
| Speichervolumen für 1 m³ Wasseräquivalent | 1 m³ | |
Wirtschaftliche Kennwerte
| Bauart | Kurzzeitspeicher | Langzeitspeicher |
| Nutzenergiekosten/kWh | 26,7 €/kWh (sehr geringe Kosten → keine Fluid/Speichermedium ist günstiger als Wasser) |
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| Laufende Kosten p.a./kW | k.A. | |
| Investkosten/kW | 0,5–7 €/kWh
Kinv,Speicher = -8,15 x ln(VSpeicher) + 967,34 mit VSpeicher = ρWasser x (Qth, Speicher)/(cp, Speicher * ΔT) |
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| Platzbedarf/kWh | Der Platzbedarf ist gegenüber anderen Speichertechnologien als sehr hoch zu betrachten, besonders bei Langzeitspeichern | |
| Typische Lebensdauer in Jahre | k.A. | |
| Erwartete Baukosten für einen Speicher mit 10.000 m³ Wasseräquivalent (WÄ), bezogen auf 1 m³ WÄ | k.A. | 90–110 €/m³ |
Technologische Kennwerte
| Bauart | Kurzzeitspeicher | Langzeitspeicher |
| Negative Aspekte der Ökobilanz (alle Lebensphasen) | keine negativen Aspekte (siehe ÖKOBAUDAT) |
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| Gefährdungspotenzial | Geringes Gefährdungspotenzial (ökologisches Gefährdungspotenzial ist bei Frischwassersystemen gering, auch bei Brauchwassersystemen ist das Gefährdungspotenzial gering, da das Wasser ständig in Bewegung ist, jedoch könnte es bei Niedertemperaturspeichern zur Besiedlung von Legionellen-Bakterien kommen) |
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| Systemkomplexität | robuste Bauweise, einfach durch Laien zu bedienen | |
Subjektive Technologie-Portfolio-Analyse
| Technologieattratktivität | Industrielle Umsetzbarkeit | Umsetzbarkeit | Ist es technisch denkbar, diese Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität einzusetzen? (Grün = Ja, Gelb = Ggf., Rot =Nein) | |
| Komplexität | Wie komplex wäre der Einsatz dieser Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität? (Grün = einfach, Gelb = eher komplex, Rot = sehr komplex oder nicht möglich) | |||
| Anwendbarkeit bei Industriepartnern | Wäre eine Flexibilisierung solcher Anlagen bei Industriepartnern direkt möglich? (Grün = Ja, Gelb=Nur mit größeren Umbaumaßnahmen, Rot = Nein) | |||
| Einsatzhäufigkeit und Verbreitung | Verbreitung in Deutschland | Wie ist der Verbreitungsgrad der Technologie in Deutschland einzuschätzen? (Grün = hoch, Gelb = mittel, Grün = niedrig) | ||
| Umrüstaufwand und Integration | Technology Readiness Level | Wie weit ist die Technologie entwickelt? (Grün = TRL 7-9 Gelb = TRL 4-6, Rot = 1-3) | ||
| Umrüstaufwand zur nachträglichen Integration | Wie wird der Aufwand zur Befähigung der Anlage eingeschätzt? (Grün = niedrig ,Gelb = mittel, Grün = noch) | |||
| Ressourcenstärke | Übertragbarkeit | Übertragbarkeit | Wie gut lässt sich eine Lösung zur Flexibilisierung dieser Anlage auf andere Anlagen übertragen? (Grün = Technologien sind immer ähnlich aufgebaut, Lösungen sind also übertragbar, Gelb = Keine Aussage möglich, Rot = Sehr Prozessspezifisch bzw. standortspezifisch) | |
| Wirtschaftlichkeit | Spezifische Speicherkosten | Wie hoch sind die spezifischen Speicherkosten (Grün = niedrig , Gelb = mittel, Rot = hoch) | ||
| Spezifische Platzbedarf | Wie groß ist die volumetrische Speicherdichte (Grün = Hoch, Gelb = Mittel, Rot = Niedrig) | |||
| Speicherverluste | Wie groß ist die Verlustleistung über die Zeit? (Standverluste, Grün = Langzeitspeicher Gelb = Stundenspeicher, Rot = Kurzzeitspeicher) |
Entwicklungstendenz
Für Wasserspeicher als Kurzzeitspeicher ist keine Entwicklungstendenz zu erkennen, da der aktuelle Entwicklungsstand bereits hoch ist. Aktuelle Forschungen beziehen sich auf saisonale Speicher (Langzeitspeicher in Kombination mit Solarwärmeanlagen. Hier ist eine enorme Entwicklungstendenz, besonders in Bezug auf die bautechnische Ausführung der Anlagen, vorauszusehen.
Zusammenfassung genereller Vor- und Nachteile
Vorteile
- Wärmeerzeuger- und Wärmeverbraucher-Kreislauf sind unabhängig voneinander, sodass eine Beladung des Speichers erfolgen kann, auch wenn zu dem Zeitpunkt keine Wärme im System benötigt wird
- die Takthäufigkeit des Wärmeerzeugers wird mit Hilfe eines Wasserspeichers optimiert, wodurch der Energieertrag verbessert und die Lebensdauer des Wärmeerzeugers erhöht wird
- Wärmeangebot und Wärmenachfrage können aneinander angeglichen werden (z.B. bei Solaranlagen, da das Wärmeangebot tagsüber am höchsten ist oder bei Wärmepumpen, um vereinbarte Abschaltzeiten zu überbrücken)
- hohe Entnahmeleistung bei Temperaturschichtung
- einsetzbar zur Speicherung von nicht genutzter industrieller Prozessabwärme
- unabhängig von der geologischen Bodenbeschaffenheit
- Wasser besitzt sowohl die höchste massenspezifische sowie volumenspezifische Wärmekapazität
- preisgünstig
- ungiftig
Nachteile
- benötigt je nach Fassungsvermögen viel Platz zum Aufstellen
- kontinuierliche Wärmeverluste trotz optimaler Isolierung (Bereitschaftsverluste)
Anwendungsbeispiele
Anwendungsbeispiele für Kurzzeitspeicher:
- Haushalte
- Büro- und Verwaltungsgebäude
Anwendungsbeispiele für Langzeitspeicher:
- Hamburg-Bramfeld, 124 Einfamilienhäuser, 4.500 m³, 1996 (Langzeitspeicher in Kombination mit einem Sonnenkollektor)
- Hannover, 106 Wohneinheiten, 2.700 m³, 2000
- Friedrichshafen, 12.000 m³, 1996
- München-Ackermannbogen (Solarer Nahwärmesystem mit Langzeit-Wärmespeicher)
Literaturverzeichnis
- Braun, Alexander (2015): Energiespeicher – Sensible Wärmespeicher, 2015
- Bremer Energie Institut (2009): Entwicklung der Energieversorgung in Norddeutschland
- FH Braunschweig/Wolfenbüttel (2009): Qualifikation zum/r Energieberater/in TGA-Wärmespeicherungssystemen
- Gawlik, Wolfgang (2013): Speicher für die Energiewende
- Krames, Helmut (2013): Thermische Großspeicher – Arten, Anwendung, Auslegung
- Kunz, Peter (2007): Wärmepumpen- und Kältetechnik IV – Systeme
- Oertel, Dagmar (2008): Energiespeicher – Stand und Perspektiven
- Peter Markewitz, Jochen Linssen, Wilfried Hennings, Stefan Vögele (2011): Übersicht Energiespeicher
- SAENA GmbH (2012): Technologien der Abwärmenutzung
- Schmidt-Pleschka, Ralf et al. (2005): Wärme und Strom speichern
- Schossig, Peter et al. (2005): Thermische Speicher
- varmeco GmbH & Co.KG (2010): Dimensionierung von Frischwassersystemen



