Relevante Energieformen
Gespeicherte Energieform:
- Thermische Energie (Kälte > 0 °C bzw. Wärme < 100 °C*) * Grenzen zwischen beiden Formen liegt bei 20 °C
Kurzbeschreibung
Physikalisches Prinzip:
Veränderung der fühlbaren Temperatur beim Lade- oder Entladevorgang (Wärmeaufnahme oder -abgabe)
Prozessablauf:
Bei einem Kies-Wasser-Speicher handelt es sich um eine pyramidenstumpfförmigen Grube im Erdreich, die mit Kiesschüttung gefüllt und in den Zwischenräumen mit Wasser geflutet ist. Dieses Wasser dient zur Erhöhung der Wärmespeicherkapazität. Bei einem Kies-Wasser-Speicher erfolgt der Wärmeaustausch entweder über Rohrschlangen (indirekt) oder über das das Speichermedium Wasser selbst (direkt).
Direktspeicher:
Bei der direkten Be- und Entladung des Kies-Wasser-Speichers wird das Wasser direkt eingespeist und entnommen. Dabei wird das Wasser durch ein Drainagesystem in einer bestimmten Temperaturschicht (warm oder kalt, je nach Bedarf) abgepumpt und über einen oberirdischen Wärmeübertrager geführt. Dort erfolgt dann eine Erwärmung oder Abkühlung des Wassers, was schließlich wieder in die jeweilige Schicht zurückgeleitet wird. Unter dem Wasserspiegel befinden sich Be- und Entladepumpen, die mit einem Filter zur Vermeidung von Ablagerungen ausgestattete sind.
Indirektspeicher:
Indirekte Speichersysteme sind von wasserdichten Rohrleitungen in unterschiedlichen Ebenen durchzogen. Dieses wasserdurchflossene Be- und Entladerohrsystem dient als Wärmeübertrager und gibt dem Speichermaterial (Kies-Wasser-Gemisch) Wärme ab (Beladung) oder entzieht diesem die Wärme (Entladung). Bei dem indirekten System kommt es durch den Übertragungsprozess zu zusätzlichen Wärmeverlusten.
Speichermedium:
Kies-Wasser-Gemisch (Kiesanteil beträgt etwa 60–70 %)
Wärmeträger:
Wasser aus Kies-Wasser-Gemisch (Direktspeicher) oder in Rohrschlangen (Indirektspeicher)
Wärmeübertrager:
Kunststoffrohre
Materialen – Hülle des Speichers:
Die Grube wird vollständig von einer wasserdichten Hülle und einer allseitigen Wärmedämmung umgeben
- Blähglasgranulat (Recyclingprodukt aus der Glasindustrie) als Wärmedämmung
- Speicherabdichtung: doppellagige Kunststofffolie oder wasserdichter Beton
Funktionsskizzen
Berechnung des Umwandlungswirkungsgrades, typische Werte
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Die Nutzungsgrade können bis zu 70 % betragen
Betriebs-Charakteristika
| Bauart | Direkt- oder Indirektspeicher |
| Typische Be- und Entladeleistungen | Direktspeicher:
mit Indirektspeicher: bzw. BES: Be- und Entladesystem |
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Alters des Speichers | Die Verlustleistung ist nicht abhängig vom Alter des Speichers |
| Typische Speichergrößen | Bei den bisher realisierten Speichern liegen die Speichergrößen bei 1.050 m³ bis 70.000 m³ (nutzbares Volumen) |
Energetische Kennwerte
| Bauart | Direkt- oder Indirektspeicher |
Verfügbare Kapazitäten |
Es existieren umgesetzte Speicher mit einem nutzbaren Volumen 1.050 m³ bis 70.000 m³ |
| QSp = m · cp · (θ2 –θ1) oder QSp = V · cp‚ · (θ2–θ1) Spezifische Wärmekapazität cp (Kies-Wasser-Gemisch) = 1,32 kJ/(kg K) |
|
| Volumetrische Speicherdichte | Typische Speicherdichten: 30–50 kWh/m³
Volumetrische Speicherdichte= (Speicherkapazität in kJ)/(Volumen des Speichers in m³) c‘ * ΔT |
| Gravimetrische Speicherdichte | Gravimetrische Speicherdichte = (Speicherkapazität in kJ)/(Masse des Speichers in kg)
c * ΔT |
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit der Kapazität | Ja
Je kleiner das A/V-Verhältnis, desto geringer sind die Wärmeverluste Die thermische Zeitkonstante (Abkühlung bzw. Wärmeverlust je Zeiteinheit) ist direkt proportional zur spezifischen Wärme des Speichermediums und zum Volumen des Speichers sowie indirekt proportional zur Oberfläche und zur Wärmedurchgangszahl der Speicheroberfläche |
| Typische Verlustleistungen in Abhängigkeit des Ladezustandes | Abhängigkeit vernachlässigbar |
| Verfügbare Energieniveaus | Temperaturniveaus des Speichers (°C): 0–90 °C (37 Vol.-% Wasser) → max. Speichertemperatur wird durch die eingesetzten Kunststofffolien begrenzt |
| Speichervolumen für 1 m³ Wasseräquivalent | 1,3–2 m³ Durch die geringe Wärmekapazität von Kies gegenüber Wasser erhöht sich das benötigte Speichervolumen gegenüber reinen Heißwasserspeichern um ca. 30–50 %. |
Wirtschaftliche Kennwerte
| Bauart | Direkt- oder Indirektspeicher |
| Nutzenergiekosten/kWh | 0,05 €/kWh |
| Laufende Kosten p.a./kW | k.A. |
| Investkosten/kW | 1,4–6 €/kWh |
| Platzbedarf/kWh | k.A. |
| Typische Lebensdauer in Jahre | k.A. |
| Erwartete Baukosten für einen Speicher mit 10.000 m³ Wasseräquivalent (WÄ), bezogen auf 1 m³ WÄ | 80–100 €/m³ |
Technologische Kennwerte
| Bauart | Direkt- oder Indirektspeicher |
| Negative Aspekte der Ökobilanz (alle Lebensphasen) |
keine negativen Aspekte Kies besitzt nur sehr wenig graue Energie |
| Gefährdungspotenzial | geringes Gefährdungspotenzial |
| Systemkomplexität | robuste Bauweise, einfach durch Laien zu bedienen |
Subjektive Technologie-Portfolio-Analyse
| Technologieattratktivität | Industrielle Umsetzbarkeit | Umsetzbarkeit | Ist es technisch denkbar, diese Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität einzusetzen? (Grün = Ja, Gelb = Ggf., Rot =Nein) | |
| Komplexität | Wie komplex wäre der Einsatz dieser Technologie zur Bereitstellung von Energieflexibilität? (Grün = einfach, Gelb = eher komplex, Rot = sehr komplex oder nicht möglich) | |||
| Anwendbarkeit bei Industriepartnern | Wäre eine Flexibilisierung solcher Anlagen bei Industriepartnern direkt möglich? (Grün = Ja, Gelb=Nur mit größeren Umbaumaßnahmen, Rot = Nein) | |||
| Einsatzhäufigkeit und Verbreitung | Verbreitung in Deutschland | Wie ist der Verbreitungsgrad der Technologie in Deutschland einzuschätzen? (Grün = hoch, Gelb = mittel, Grün = niedrig) | ||
| Umrüstaufwand und Integration | Technology Readiness Level | Wie weit ist die Technologie entwickelt? (Grün = TRL 7-9 Gelb = TRL 4-6, Rot = 1-3) | ||
| Umrüstaufwand zur nachträglichen Integration | Wie wird der Aufwand zur Befähigung der Anlage eingeschätzt? (Grün = niedrig ,Gelb = mittel, Grün = noch) | |||
| Ressourcenstärke | Übertragbarkeit | Übertragbarkeit | Wie gut lässt sich eine Lösung zur Flexibilisierung dieser Anlage auf andere Anlagen übertragen? (Grün = Technologien sind immer ähnlich aufgebaut, Lösungen sind also übertragbar, Gelb = Keine Aussage möglich, Rot = Sehr Prozessspezifisch bzw. standortspezifisch) | |
| Wirtschaftlichkeit | Spezifische Speicherkosten | Wie hoch sind die spezifischen Speicherkosten (Grün = niedrig , Gelb = mittel, Rot = hoch) | ||
| Spezifische Platzbedarf | Wie groß ist die volumetrische Speicherdichte (Grün = Hoch, Gelb = Mittel, Rot = Niedrig) | |||
| Speicherverluste | Wie groß ist die Verlustleistung über die Zeit? (Standverluste, Grün = Langzeitspeicher Gelb = Stundenspeicher, Rot = Kurzzeitspeicher) |
Entwicklungstendenz
keine weiteren Entwicklungen abzusehen
Zusammenfassung genereller Vor- und Nachteile
Vorteile
- Wärme kann in unterschiedlichen Schichten be- und entladen werden
- Kies erfüllt höchste statische Anforderungen, sodass auf eine tragende Behälterkonstruktion verzichtet werden kann
- kostengünstige Errichtung des Speichers
- befindet sich unterirdisch → keine Akzeptanzprobleme aufgrund von großen Tanks oder Speicherbecken
Nachteile
- benötigt je nach Fassungsvermögen viel Platz zum Aufstellen
- kontinuierliche Wärmeverluste trotz optimaler Dämmung (Bereitschaftsverluste)
Anwendungsbeispiele
Kies-Wasser-Speicher werden zur Langzeitspeicherung von Solarwärme oder Abwärme eingesetzt oder als Zwischenspeicher in Nahwärmenetzen
Anwendungsbeispiele:
- Eggenstein-Leopoldshafen, Grund- und Hauptschule
- Steinfurt-Borghorst, 1.500 m³, 1998
- Chemnitz, 8.000 m³, 2000
Literaturverzeichnis
- BINE Informationsdienst (2005): Wärmespeicher, Leseprobe
- Bohne, Dirk (2004): Ökologische Gebäudetechnik
- Bohne, Dirk (2004): Ökologische Gebäudetechnik
- Oertel, Dagmar (2008): Energiespeicher – Stand und Perspektiven
- Pape, Joachim T. (2005): Technisch-wirtschaftliche Aspekte von Erdwärmespeichern
- Pfeil, Markus; Koch, Holger (2004): Kies/Wasser-Wärmespeicher. Langzeitwärmespeicherung ökologisch und kostengünstig
- Saisonalspeicher.de, Erdbecken Be- und Entladung, zuletzt geprüft am 26.07.2019
- SAENA GmbH (2012): Technologien der Abwärmenutzung

